CARL ROTTMANN

1797 Heidelberg – München 1850

Camaldoli im November 1828


Bleistift, grau laviert auf Velinpapier, 260 x 436 mm
Oben beschriftet: „Gapany“ (von fremder Hand und durchgestrichen) „Vorgrund rechts … mit Camaldoli“ unten beschriftet „Camaldoli im November“
Verso: Bleistiftskizzen

Carl Rottmann erhielt zusammen mit Ernst Fries, Carl Philipp Fohr und seinem älteren Bruder Anton in Heidelberg Zeichenunterricht bei seinem Vater Friedrich Rottmann. 1821 ging er nach München und unternahm 1826 seine erste Italienreise, die ihn bis 1827 nach Mailand, Genua, Florenz, Rom und Neapel führte. Seine Gemälde „Rom“ und „Palermo“ weckten bei Ludwig I. von Bayern die Idee zu den Fresken in den Hofgartenarkaden, die Rottmann nach einem neuerlichen Italienaufenthalt, zu dem er im Winter 1828 aufgebrochen war, im Frühjahr 1830 begann und 1833 abschloss. 1834/35 reiste er im Auftrag des Königs nach Griechenland und begann danach mit seinen Darstellungen griechischer Landschaften. 1840 ernannte Ludwig ihn zum Hofmaler, was Rottmann die Sicherheit einer lebenslangen Pension einbrachte. Die Arbeit an den griechischen Landschaften zog sich bis in sein Todesjahr 1850 hin.
Die vorliegende Zeichnung gibt den Blick längs des Kamaldulenser-Klosters Eremo dei Camaldoli wieder. Es war auf einem Berg bei Neapel gelegen mit Blick zum Golf von Bajae mit den Inseln Procida und Ischia und dem Kap Miseno. Im Vordergrund rechts führt ein befestigter Weg mit Bildstöcken einen weiteren Berg hinan. Der Blick vom Kloster in südwestliche Richtung auf das Meer war berühmt; Ansichten des Klosters selbst sind hingegen selten. Rottmann schätzte diesen Ort sehr, denn er vermerkte nach seiner Rückkehr aus Sizilien im Frühjahr 1827: „Seit Monaten ruhe ich hier wieder das erste mal aus, doch war ich gestern am Tage nach meiner Ankunft auf dem festen Lande schon wieder bei dem herrlich gelegenen Kloster Camaldoli auf dem höchsten Berge von Neapel…“ [Dok. 38]. Die beeindruckende Aussicht lebt von dem Gegensatz der geometrischen Architektur und den geschwungenen Linien, mit denen Rottmann den gekurvten Weg rechts angab und die Vegetation charakterisierte. Bei dem Blatt handelt es sich um eine Arbeitsstudie; im Himmelbereich skizzierte er zart eine Brücke. Auch auf der Rückseite zeichnete er unter anderem Brückenbögen. Die Komposition ist zusätzlich mit grauer Lavis überarbeitet, womit er Akzente setzte und die räumliche Wirkung erhöhte. Die Quadrierung ist ein Indiz für eine geplante Übertragung in ein größeres Format. Für das Fresko „Golf von Bajae“, das dann schließlich in den Hofgartenarkaden realisiert wurde, wählte Rottmann jedoch einen anderen Blick auf Kap Miseno, Procida und Ischia, direkt auf Meereshöhe.
Auf der Zeichnung befinden sich recto und verso unterschiedliche handschriftliche Notizen, die teils schwer zu entziffern sind. Da Rottmann auf dem Blatt die Monatsangabe „November“ vermerkte, kann das Blatt nur bei der zweiten Italienreise entstanden sein, die er Ende 1828 antrat und sich bis 1829 hinzog.
In der Staatlichen Graphischen Sammlung München hat sich ein Aquarell mit einer zweiten Ansicht des Golfs von Neapel erhalten (Bierhaus-Rödiger 104), die ebenfalls von dem Berg aufgenommen wurde, auf dem das Kamaldulenser-Kloster liegt. Allerdings verzichtete Rottmann auf die Wiedergabe von Architektur. Beide Ansichten belegen seine Wertschätzung des Ortes, wie sie in der zitierten Äußerung zum Ausdruck kommt.